Diese dreckigen Nikotiniker
Alles ist gesagt. Irgendwie. Glaub ich. Das ist ja auch immer so. Eigentlich ist dieses Blogzeuch auch nur da um zu sagen, was quasi keiner hört. Egal. Wir feilen an der Selbstrefenzialität bis sie quasi nicht mehr da ist und die ganze Welt zuhört – oder so ähnlich.
Rauchen tötet. So steht es auf den Schachteln, in denen diese kleinen Zylinderchen stecken, die so lecker duften bis man sie anzündet. Der wohlerprobte Raucher, der sich stets und ständig verteidigen muss, vor den erhobenen Fingern einer nichtrauchenden Wellness- und/oder Fitnessgesellschaft kontert schlagfertig: Leben auch!
So wie ich die Sache sehe, ist das sein gutes Recht. Jeder kann und soll sich doch mit dem Zeuch auf Raten töten, was er für angemessen oder wahlweise für schmackhaft hält. Für mich müsste diesen Menschen ihre Sucht auch nicht in Kneipen, Kaffeehäusern oder weiß der Geier für Etablissements verboten werden- dachte ich zumindest. Ich musste aber feststellen, dass es sich durchaus besser isst, wenn einem nicht der Duft von verbranntem Laub um die Nase weht.
Darum geht es mir aber auch gar nicht. Irgendwie wäre es doch super, wenn sich jede Stunde in so nem Restaurant nach demokratischer Befragung für rauchen oder eben nichtrauchen entschieden würde. So ist es aber nicht, auch wenn es bei aller Komik sicher ein wenig unpraktikabel wäre.
In unserem Lande entscheiden vom Volk gewählte Vertreter über unser Wohl und Wehe. Jetzt haben die entschieden, dass in Kneipen nicht geraucht werden darf und sofort geht das Krakele los. Das ist ja auch alles gut und schön, es wird halt zu heulen begonnen, wenn einem etwas weggenommen wird- so ist der Mensch, aber mal im Ernst, man kann doch der Politik nicht vorwerfen, dass sie ein Gesetz verabschiedet, mit dem eine Gruppe von Menschen vor der Beeinträchtigung einer anderen geschützt wird.
Jetzt hopsen natürlich die ersten Schlaumeier aus ihren Löchern und erzählen, dass überhaupt noch nicht zweifelsfrei geklärt sei, dass rauchen signifikant zur Verschlechterung der Gesundheit beiträgt und wenn die mit ihrem Geschrei fertig sind, stehen gleich die nächsten da, die irgendwann das Wort Hedonismus gelernt haben und berichten, dass es durchaus die Lebensqualität steigere wenn man raucht, einfach weil es Spaß macht und man doch nichts davon hat lange zu Leben, wenn einem dabei der Spaß durch die Lappen gehe.
Nun sträubt sich auch bei und in mir alles, wenn einem Gesundheit verordnet wird und man nicht selbst entscheiden kann, was einen zu Gunsten von ein wenig Freude schneller von der Existenz auf Gottes schönem Planeten befreit. Aber es ist doch erstmal grundsätzlich in Ordnung, wenn die Politik diejenigen schützt, die sich nicht für den schnellen Weg entschieden haben. Im Grundgesetz, der Basis unserer Gesellschaft, ist festgelegt, dass jeder das Recht auf freie Entfaltung hat, solange er die Rechte anderer nicht verletzt. Zu denen zählt auch die körperliche Unversehrheit. Es ist natürlich immer ganz schrecklich oberlehrerhaft gleich mit dem Grundgesetz zu kommen, aber ich finde es tatsächlich angebracht sich ab und zu ins Bewusstsein zu rufen, dass dieser Schrieb die grundlegendste Vereinbarung ist, die Menschen in diesem Lande irgendwie akzeptieren sollten.
Natürlich kann man vortrefflich darüber diskutieren, ab wann der Staat beim Schutz der Einen zu sehr in die freie Entfaltung der Anderen eingreift. In diesem besonderen Fall scheint es doch aber tatsächlich so zu sein, als beruhe die Entscheidung nur auf dem gutem Vorsatz eine bestimmte Gruppe von Menschen zu schützen. Oft hat man das Gefühl, dass Gesetze gemacht würden um Profit zu schlagen, weil es so sein muss oder man quasi das geringere Übel wählt.
Nun will ich nicht aus Dingen ein großes Gewese machen, die eh entschieden sind und mit denen sich auch alle Beteiligten anfreunden können- so wie unsere Freunde in anderen europäischen Staaten.
Als Sekundärliteratur verweise ich, quasi als Kontrastprogramm, auf die Herren Danny Dziuk und Sebastian Krämer , die alles sicherlich wesentlich besser und differenzierter (das Lied “Nichtraucher sind Steuerhinterzieher”) darstellen.
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Kommentar von s — 6. April 2008 um 02:50