Die Fürbitte zum Karfreitagsgebet – Ein Grund zur Aufregung?
“Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen. Lasset uns beten. Kniet nieder. Erhebt euch. Allmächtiger, ewiger Gott, der du alle Menschen erlösen und zur Wahrheit führen möchtest, gewähre gnädig, dass ganz Israel das Heil erlangt,wenn die Schar der Völker vollständig in deine Kirche eintritt. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.”
Diese Fürbitte zum Karfreitagsgebet sorgt für heftige Aufregung im Dialog zwischen Juden und Christen.
Papst Benedikt XVI. hat diese Passage zum Beten in den katholischen Kirchen angeordnet. Dies ist eine Folge davon, dass der Papst wieder die lateinische Liturgie in den Kirchen etablieren will. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil war sie, zum Unmut vieler Konservativer, abgeschafft worden.
Das 2. Vatikanum sollte die katholische Kirche für die Moderne und andere Religionen öffnen. Im Verhältnis zu den Juden war die Änderung in den folgenden Passus (wie auch der Bußgottesdienst im Jahr 2000, indem sich Papst Johannes Paul II. für die Verfehlungen gegenüber den Juden entschuldigte) ein Meilenstein:
“Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will …”.
Schon das von der Kongregation für die Glaubenslehre ausgearbeitete und vom Papst unterschriebene Dokument „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ hatte letztes Jahr für Unmut gesorgt. Damals hatte der Dialog zwischen Katholiken und Protestanten gelitten, weil sich die katholische Kirche, als einzig “wahre” abgrenzte.
Zerstört Benedikt den Dialog, den Papst Johannes Paul II. mit den anderen Religionen in den letzten Jahren aufgebaut hat?
Oder bringt er die katholische Kirche, so wie es viele Konservative schon lange forderten, wieder auf Kurs?
Im Prinzip wird nur das konsequent verfolgt, was die katholische Kirche schon immer proklamierte und was auch ihre Lehre aussagt.
Mag sein, dass der Dialog der Religionen wichtig ist. Und sicher, die katholische Kirche hat sich politisch nicht immer korrekt verhalten und sie sollte damit auch offener umgehen.
Aber: Man kann, bei aller Wichtigkeit des Dialogs und des guten Verhältnisses, nicht erwarten, dass wichtige Glaubensinhalte aufgegeben werden.
Der jüdische Glaube erkennt Jesus nun mal nicht als Gottes Sohn an. Und natürlich war die Fürbitte nach dem 2. Vatikanum diplomatischer formuliert, aber im neuen Testament ist die Hoffnung enthalten, dass alle sich zu Jesus bekennen und erlöst werden.
Die jetzt verwendete Formulierung drückt eigentlich nur diese Hoffnung aus – alle sollen Jesus als Gottes Sohn erkennen.
Der Glaube an Jesus Christus ist der Unterschied zum Judentum. Dass dieser Unterschied betont und verteidigt wird, hat nichts mit “Nachhilfe” für Juden zu tun. Die Eschatologie ist Teil des christlichen Glaubens und sollte nicht negiert werden. Man beansprucht, wie jede andere Religion, dass das, was man selbst glaubt, zum Heil führt.
[damit meine ich aber kein Heilsexklusivismus--> siehe
Christentum: Lumen Gentium, Kapitel 2/16.;
Judentum: "Noachidische Gebote"-->werden diese Gebote eingehalten, kann auch ein Nicht-Jude Gerechter (Zaddik) sein und folglich auch von Gott "erlöst" werden;
Koran: Sure 2,62]
Das alles gilt auch für das Verhältnis zu anderen Religionen.
Dialog und Respekt vor anders Gläubigen: Ja!
Aber: Man kann nicht den Kern des Glaubens aufgeben.
Auch nicht gegenüber den Protestanten. Auch da ist eine Abgrenzung zu rechtfertigen (wenn auch nicht wünschenswert). Denn in vielen wichtigen Kernfragen ist man so unterschiedlicher Auffassung, dass an eine “gemeinsame” Kirche nicht zu denken ist!
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…da sprach der religionswissenschaftler. aber toller artikel!
Kommentar von Caro — 16. March 2008 um 10:11
[...] schreibt in seinem Blog: Im Prinzip wird nur das konsequent verfolgt, was die katholische Kirche schon immer proklamierte [...]
Pingback von “Es um die Identität der Kirche selbst geht” - Weitere jüdische Gedanken zur Karfreitagsfürbitte « 5767 — 20. March 2008 um 13:42