Vom Verschwinden der Handschrift

| Thomas Schoepe in Gesellschaft & Kultur | 21. October 2008 - 00:34 |

In den letzten Jahre las, sah und hörte man viel von den “immer dümmer werdenden Jugendlichen”, die sich, anstatt sich zu bilden, nur noch vor dem PC, der Spielkonsole oder dem Fernseher herumtrieben.
Die viel zitierte “Generation Doof” eben.
Gegen diese These regte sich auch Widerstand. In der Kritik wird häufig den digitalen Medien als neue Informationsquelle gehuldigt!

Was wahr ist? Ich lasse es dahin gestellt sein. Ein viel interessanteres, gesellschaftliches Phänomen bleibt bei dieser ewigen Diskussion nämlich im Dunkeln: Ich möchte es die “Ent-Persönlichung der Kommunikation” nennen.

Dass das Internet und die Digitalisierung unsere Gesellschaft vollkommen verändert haben, ist für die junge Generation gar nicht ersichtlich. Die Älteren schauen skeptisch auf das Internet und die moderne Technik, mit denen die Jugend aufgewachsen ist und die darum keine Entwicklung für sie darstellen, sondern Lebenswirklichkeit sind.

Die Kommunikation hat sich auf drastische Weise geändert. Wenn man überlegt, dass Internet und Mobiltelefon erst in den 90er Jahren für die Masse zugänglich wurden und wie sich der Alltag dadurch essenziell geändert hat, muss es zwingend verschiedene Wahrnehmungen von Menschen geben: Die, die den extrem schnellen Wandel miterlebten und jene, die mit der neuen Kommunikationsform aufwuchsen.

Natürlich, das Internet eröffnet Chancen sich neu zu vernetzen und so viel mehr Leute kennen zu lernen, die die gleichen Interessen teilen. Aber wie läuft die Kommunikation ab? Im Chat natürlich.
Und auch Kommunikation in Freundschaft, Familie und Beziehung wird mit Mail und SMS gepflegt, natürlich nicht ausschließlich, aber wenn die Zeit knapp ist, dann schon.
Dies alles soll keine grundsätzliche Kritik an der digitalen Welt sein, aber mir scheint, als nutzten wir nicht “nur” die Vorteile der neuen Möglichkeiten, sondern wir ließen uns vereinnahmen.

Kommunikation ist mehr als nur Inhalt. Kommunikation beinhaltet Zwischenmenschliches, Nuancen, die weit über einen Austausch von Information hinausgehen.
Das Zurückdrängen des Nonverbalen und von allem, was mit indirekter Kommunikation zu tun hat, führt dazu, dass der Kommunikation das Persönliche entzogen wird.

Das Verschwinden der Handschrift aus dem Alltag der (“jungen”) Menschen ist eine sichtbare Folge der “Ent-Persönlichung der Kommunikation“.

Viele Kommilitonen von mir kommen mit Laptop zur Uni und erledigen so ihre Mitschrift. Klausuren kommen in Gesellschaftsfächern so gut wie nicht vor, da werden Seminararbeiten geschrieben, natürlich auf dem PC.
Statt Briefen schreibt man Mails und statt Postkarten MMS.
Einzig, wenn man mit der EC-Karte bezahlt, muss man ab und an, so man nicht die PIN direkt eintippt, unterschreiben. Aber sonst?!
Die Handschrift wird nicht mehr wirklich gebraucht. Es würde wahrscheinlich kaum jemandem auffallen, wenn man mit einem Stift nicht schreiben könnte.

Wir verkommen dazu, uns mit einem Informationsupdate des Anderen zufrieden zu geben. Ich weiß nicht, ob das Verschwinden der Handschrift dabei eine so dramatische Rolle spielt, aber die Entwicklung, die sich mit diesem Phänomen zu vollziehen scheint, finde ich sehr bedenklich!
Der Mensch wird sich selbst nur durch eine Kommunikation gerecht, die der Information eine persönliche, eine individuelle Nuance beimischt!

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